Springe zum Inhalt

Über drei Monate nach der Kommunalwahl ist am 5. September der neue Stadtrat zu seiner ersten Sitzung zusammengetreten.

Die Kommunalwahl im Mai hat uns GRÜNEN ein phänomenales Wahlergebnis beschert. Wir sind mit 20,5 Prozent erstmals die stärkste Kraft im Rathaus und nun mit 15 Stadträt*innen vertreten. In der Neustadt sind wir GRÜNEN mit 38,2 Prozent die eindeutigen Wahlgewinner*innen. Und auch ich habe mit 9.646 Stimmen viel Vertrauen (dazu) gewonnen. Danke an alle, die das möglich gemacht haben!

GRÜNE sind erstmals stärkste Kraft im Stadtrat

Die Mehrheitsverhältnisse im neuen Stadtrat bleiben unklar. Eine stabile grün-rot-rote Mehrheit wird es nicht geben; dafür fehlen drei Stimmen. Ob die drei Fraktionslosen (Dr. Martin Schulte-Wissermann für die Piratenpartei, Max Aschenbach für die PARTEI und Manuela Graul für das Bündnis Freie Bürger) eine progressive Stadtratsmehrheit möglich machen, bleibt abzuwarten. Aber unsere Prioritäten sind klar: Wir streben eine vertiefte Zusammenarbeit mit den LINKEN, der SPD und den Fraktionslosen an und loten derzeit gemeinsame Ziele für die nächsten fünf Jahre aus. Doch auch CDU, AfD, FDP und Freie Wähler haben zusammen keine Mehrheit im neu gewählten Stadtrat. Daraus schließe ich, dass alle demokratischen Kräfte, die die Stadtpolitik in den nächsten fünf Jahren mit gestalten wollen, eine neue Gesprächsbereitschaft zeigen müssen. Es geht dabei um weit mehr als um die Suche nach Mehrheiten, es geht darum, das Vertrauen in den Stadtrat zu stärken und die Sachfragen in den Mittelpunkt zu stellen. Politische Grabenkämpfe, wie beispielsweise um die Radwege auf der Albertstraße oder auf dem Unigelände am Zelleschen Weg, würden bei der neuen Zusammensetzung des Stadtrates einmal mehr in eine politische Sackgasse führen.

Die Stadtratswahl war auch eine Klimawahl

Der Klimawandel war eines der zentralen Themen bei den Wahlen im Mai. Der weltweiten FridaysForFuture-Bewegung schließen sich auch in Dresden immer mehr Menschen an. Bei der Demonstration in Dresden am 24. Mai 2019 haben über 5.000 überwiegend junge Menschen rasche Fortschritte beim Klimaschutz eingefordert. Die Zeit der Klimawandel-Leugnung im Stadtrat von Vertreter*innen aus den CDU und FDP-Fraktionen muss ein Ende haben. Ich denke, es gibt eine neue Erwartungshaltung an den Stadtrat. Das spiegelt sich zum Beispiel in den Debatten um eine andere Verkehrspolitik in Dresden wider, d.h. dem Ruf nach weniger Autos und mehr Aufmerksamkeit für den öffentlichen Nahverkehr, für Rad- und Fußwege.

Der Klimawandel wird spürbar, auch diesen Sommer wieder

Dresdner Bäche führen kaum mehr Wasser, einige drohen dauerhaft auszutrocknen. Betroffen ist auch die Prießnitz, wie das Dresdner Umweltamt bekannt gegeben hat (mehr dazu auf Neustadtgeflüster). Die Sächsische Dampfschiffflotte steckt in einer tiefen finanziellen Krise, weil der niedrige Pegel der letzten Jahre die Elbe immer wieder zeitweise unschiffbar gemacht hat. In diesem Jahr erleben wir nicht nur viel zu geringe Niederschläge, außerordentlich viel Sonnenschein, sondern im Juli bereits die zweite Hitzewelle mit Temperaturen deutlich über 30 Grad. Der Juni 2019 gilt laut Deutschem Wetterdienst als der wärmste seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen.

GRÜNE Agenda für mehr kommunalen Klimaschutz liegt auf dem Tisch

Die neue Stadtratsfraktion hat bereits in den Sommerferien ein sehr detailliertes GRÜNES kommunales Klimaschutz-Konzept vorgelegt, das aufzeigt, was Dresden in den nächsten Jahren aus unserer Sicht für einen wirkungsvollen Klimaschutz und eine durchgreifende Umsteuerung in Energie- und Verkehrspolitik tun kann und muss. Als größte Fraktion im Dresdner Stadtrat sehen wir es als unsere Aufgabe an, alle wichtigen Akteur*in-nen in der Stadt, die vielen Initiativen und die Bürgerschaft in eine offene Debatte einzubinden. Wir werden deshalb im Herbst 2019 und im Frühjahr 2020 eine Folge von Werkstatt-Tagen organisieren mit dem Ziel einen Prozess des Austauschs und gegenseitigen Lernens in der Stadtgesellschaft in Gang setzen – öffentlich, transparent, ergebnisorientiert.

Eine Ad-hoc-Initiative, die den Klimanotstand ausruft, reicht aus unserer Sicht nicht aus. Der Stadtratsantrag darf kein symbolischer Akt bleiben, der an die Bundesregierung appelliert und die Stadtverwaltung zum Handeln auffordert, ohne konkrete politische Ziele zu formulieren. Wir kämpfen dafür, dass Dresden jetzt die richtigen Weichen stellt und dass unsere Stadt bis 2035 klimaneutral wird. Dafür suchen wir eine breite, demokratische Mehrheit im Stadtrat und hoffen auf die konstruktive Mitwirkung der anderen Fraktionen.

Das Große und Ganze: GRÜNE Kernprojekte für die nächsten 5 Jahre

Uns ist bewusst, dass es über den Klimaschutz hinaus viele weitere Aufgaben gibt, die in Dresden angegangen werden müssen. Unsere Ziele für die kommende Wahlperiode haben wir als GRÜNE Kernprojekte zusammengefasst. Das ist unser Angebot für eine zukunftsorientierte und nachhaltige Gestaltung Dresdens. Zur Realisierung der Projekte werden wir im Stadtrat für Unterstützung aus den demokratischen Parteien werben und auch außerhalb des Rathauses gesellschaftliche Mehrheiten suchen.